Entstehung des Projekts Befreunden

1999 veröffentlichten Harris und Kollegen in der Zeitschrift British Journal of Psychiatry die Studie „Befriending as an intervention for chronic depression among women in an inner city“. Die Übersetzung wäre: „Befreunden als eine Intervention zur Besserung chronischer Depression bei Frauen in einem Stadtzentrum“. Hierbei wurden ehrenamtlich tätige Frauen gesucht als Freunde von 40 depressiven Frauen, um über ein Jahr lang mindestens 1 Std. / Woche mit ihnen zu reden, da zu sein, ein Freund zu sein, Aktivitäten anzustoßen. Die Laienhelferinnen wurden nach mehreren Interviews ausgewählt und erhielten ein dreitägiges Training. Die Betonung lag auf der Überwindung psychosozialer Belastung durch die positive neue Begegnung im Sinne eines Neustarts. Reguläre psychiatrische Therapie war ein Ausschlussgrund für die Teilnahme. Das Modell war wirksam im Hinblick auf die Besserung der Depression, wenn auch andere Faktoren wie positive Lebensereignisse eine wesentliche Rolle spielten.

Auch in unserer täglichen klinischen Erfahrung stellte sich heraus, dass fehlende positive Ereignisse ein wesentliches Hindernis auf dem Weg zur Genesung waren. Zwar konnten die therapeutischen Maßnahmen die Tatkraft der Patienten verbessern, um Schwierigkeiten anzupacken. Fakten wie Arbeitslosigkeit, schwere körperliche Erkrankungen oder der Verlust des Partners führten aber zu einer Vereinsamung der Patienten und zu einer negativen Grundhaltung, die den Erfolg einer Therapie erschwerten. Der Aufbau eines Freundeskreises schien ein wichtiger Baustein für die Genesung.

Der Verein Horizonte zur Förderung affektiv Erkrankter e.V. griff deshalb die Idee der oben genannten Studie auf, um Patienten mit depressiven Störungen, die kaum soziale Kontakte hatten, dadurch zu unterstützen. Der wesentliche Unterschied unseres Ansatzes zu oben genannter Studie war, als Voraussetzung für die Teilnahme bei Betroffenen eine sorgfältig durchgeführte antidepressive Therapie.

Im Konzept von „Befreunden“ wollten wir eine therapeutische Rolle des Freundes völlig herausnehmen, da diese ja durch professionelle Helfer gewährleistet war. Die vermittelte Freundschaft sollte eine Begegnung zweier Menschen mit gegenseitigem Interesse und offenem Ausgang sein. Verschlechterung des Befindens, z.B. im Notfall von Selbstmordgefahr, sollte zu einem Kontakt mit professionellen Helfern führen, aber nicht zum Gegenstand der Unterhaltungen der neugewonnen Freunde.

Befreunden vermittelt also Freundschaften zwischen ehrenamtlichen Helfern und Menschen, die wegen einer Depression in Behandlung sind und wenig soziale Kontakte haben.

Anmelden und Information unter
info@verein-horizonte.de

 

Der Prozess des Befreunden findet nach einen einfachen wie bewährten Ablauf statt