Depression…

Heute früh bin ich aufgewacht und die Traurigkeit war verschwunden. Es ist wie im Himmel“

Don van Vliet

Depressionen

Depressionen bemerkt man oft erst, wenn sie vorbei sind. Solange alles dunkel ist, gibt man die Schuld der bösen Welt, die einen aussaugt. Aber kaum ist das Wetter wieder gut, vergisst man zu fragen, warum man nicht zum Arzt gegangen ist. Denn tatsächlich ist die Depression eine Krankheit und sie ist behandelbar. Und wenn sie nicht behandelt wird, kann sie beruflich und privat viel Schaden anrichten.


Jede/r fünfte Erwachsene durchleidet einmal im Leben eine Depression. Je nach Schwere, Anzahl der Symptome und Dauer nennt man sie Depressive Episode, Dysthymie u.a. Auch sogenannte unterschwellige Formen mit nur wenigen Symptomen können die Lebensqualität beeinträchtigen und sich im Lauf der Zeit verschlechtern.


Trotz der Schwere der Erkrankungen werden die Patient*Innen nur in einem Bruchteil der Fälle medizinisch korrekt behandelt. Aus diesem Grund ist die Depression die Krankheit, die weltweit das meiste Leid und die schwerwiegenste Behinderung verursacht. Sie verläuft aber nur bei 5-10 Prozent der Erkrankten sehr schwer und chronisch. Denn durch Medikamente und Psychotherapie kann fast allen Betroffenen deutlich geholfen werden.

Wenn also jemand 2 Wochen mehrere der folgenden Symptome einer Depression an sich oder einem/r Angehörigen bemerkt, sollte er/sie zumindest kundige Hausärzt:Innenn oder Fachärzt:Innen für Psychiatrie und Psychotherapie aufsuchen.

Symptome der Depression

Andauernd traurige Stimmung, Freudlosigkeit, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, unerklärliche Unruhe, Abgeschlagenheit, bleierne Schwere, Selbstvorwürfe, Gefühl von Wertlosigkeit, Denk- und Konzentrationsstörungen, Lebensüberdruss oder Selbstmordgedanken.

Therapie der Depression

Die sogenannten S3-Leitlinien zur Therapie der Unipolaren Depression der Deutschen Fachgesellschaften sind im Internet veröffentlicht unter www.leitlinien.de. Psychopharmaka und Psychotherapie werden oft als Gegensätze angesehen. Eigentlich sollten sie Partner sein. Denn beide helfen bei allen Arten von Depressionen jeweils in verschiedenen Kombinationen. Die neueren Antidepressiva („SSRIs“ etc.) sprechen ganz gezielt Botenstoffe im Hirn an und vermeiden Nebenwirkungen. Die älteren (Trizyklika und MAO-Hemmer) bieten eine solide Ergänzung, die immer noch vielen Patienten hilft. Insgesamt wird die Palette der Möglichkeiten ständig breiter und verlangt von Arzt und Patient spezielles Wissen, viel Geduld und unermüdliches Ausprobieren im sogenannten Stufenplan, bis die richtige Mischung gefunden ist. Auch die Psychotherapien haben sich spezialisiert wie die Interpersonelle Therapie (IPT) und die Kognitive Therapie, die Psychodynamische oder das CBASP, um schneller und effektiver Depressionen zu bessern und auch vorzubeugen. In schweren Fällen wird in speziellen Zentren auch die Elektrokonvulsionsherapie mit Erfolg angewandt.

Ärzte und Patienten

Den richtigen Arzt/die richtige Ärztin zu finden ist genauso schwierig wie eine Partnerwahl. Man muss Ihnen vertrauen können und sie/er muss kompetent sein. Als Patient*in sollte man die Ärzte gründlich testen, was sie wissen über die Erkrankung und wie sie es erklären. Die Behandlung soll ein Geschäft sein, bei dem man als Patient*in Profit macht. Man lässt sich behandeln, nimmt Medikamente, nimmt Nebenwirkungen in Kauf und will dafür Gesundheit und Lebensqualität bekommen. Um Kosten und Nutzen richtig abschätzen zu können, muss man wissen, wie die Krankheit ohne Therapie verlaufen würde. Denn oft vergehen die Symptome nicht vollständig und auch die Rückfälle bleiben nicht ganz aus. Hier hilft es, wenn Patient*Innen Buch führt über ihre Krankheit wie über Aktien an der Börse und so sehen, ob die Werte mit der Therapie steigen oder fallen. Ärzte sind dann Börsenberater, der einem alle Tricks verraten und warnen vor unvorsichtigen Handlungen.

Eines ist sicher

Es gibt niemals Grund zu Hoffnungslosigkeit! Auch nach vielen Jahren schwerster Krankheit ist noch volle Heilung möglich und es gibt niemand, dem nicht irgendwie zumindest Linderung verschafft werden kann. Auch daran sollte man denken: Jedes Jahr kann die Wissenschaft eine neue erfolgreiche Behandlung für viele bisher nicht genügend gebesserte Patient*Innen finden.
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